Ich hatte gestern ein interessantes Gespräch mit einer wunderbaren Frau und Mutter, deren Tochter vielleicht bald die Menstruation, oder wie ich sie nenne „ die Mondzeit“ bekommen wird. In diesem Gespräch ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie wenig wir mit unserer Mondzeit anfangen können. Wie wenig Worte wir für das haben, was ganz natürlich jedes Monat passiert. Und wie weit viele von uns davon entfernt sind, diese Zeit zu schätzen und zu lieben. Mir selbst fehlen häufig die richtigen Worte um all die Vorgänge, rund um das Frau sein, so wie ich sie empfinde und erlebe, auszudrücken. Wie schwierig muss es dann für eine junge Mama sein, die selbst eigentlich nur „Negatives“ über die Mondzeit aber auch über das „weiblich Sein“ mitbekommen hat, dies ihrer Tochter, in einer positiven Form, zu vermitteln?
Ich musste daran denken, wie die nächste Generation an Frauen heranwächst, die auf Grund ihres Schamgefühls, ihre Weiblichkeit unterdrückt bzw. keinen Zugang zu ihrer Kraft und ihrer Weiblichkeit hat. Nicht nur das, es führt dazu, dass diese jungen Frauen ihren Körper nicht annehmen, wie er ist. Und den Körper nicht anzunehmen kann zu niedrigem Selbstwertgefühl führen.
Meine Mondzeit ist bereits vorüber. Ich darf mich jetzt mit dem nächsten Schritt in der Entwicklung von Frau sein einfinden. Aber auch hierfür gibt es kaum Vorbilder, die mir erklären, wie toll dieser Lebensabschnitt (die Wechselzeit) ist.
Unsere Mütter, deren Mütter und Generationen zu vor, haben verlernt, was es bedeutet im Einklang mit der eigenen Weiblichkeit zu sein. Nicht gelernt, wie besonders es ist, die Mondzeit zu bekommen, die Zeit des Wechsels zu leben. Sie haben nicht gelernt ihren natürlich weiblichen Rhythmus zu leben bzw. diese besonders magische stärkende Zeit zu nützen, um in ihre Kraft zu gehen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das erste Mal versucht habe meine Mondzeit als etwas besonderes anzusehen, mich mit ihr zu verbinden, sie als wunderschön zu empfinden und wie genervt ich eigentlich nur war.
Über die Jahre habe ich durch Versuche, mich mit mir und meiner Gebärmutter zu verbinden gelernt, diese Zeit zu schätzen und sie zu lieben. Diese paar Tage meiner Mondzeit wurden zu einer besonderen magischen Zeit, die nur mir gehörte. Eine Zeit, wo ich mich besonders um mich kümmerte. Eine Zeit die ich liebte. Und dann blieb sie aus und statt mich über den nächsten Lebensabschnitt zu freuen, trauerte ich. Wieder durfte ich durch das in mich Hineinhören, durch lesen von Büchern, durch den Austausch mit anderen Frauen, lernen was es bedeutet diesen Lebensabschnitt zu betreten. Und ich bin immer noch am Erlernen, Erfahren, Erspüren.
Das alles kam mir gestern in dem Gespräch und auch danach wieder zu Bewusstsein. Wie sehr uns doch die Rollmodels, die Vorbilder fehlen, die uns in diese Geheimnisse des Frau seins einführen und uns bewusst machen, wie besonders diese Zeit ist und wie besonders es ist eine Frau zu sein. Bitte das nicht so verstehen, als wäre das Mann-Sein nicht besonders. Es ist es genauso. Nur Männer sind sich dessen mehr bewusst als wir Frauen.
„Zufällig“ hatte ich vor ein paar Wochen eine Buchempfehlung bekommen. „Dem Mond so Nah: ein Wegweiser für Mädchen zu ihrem Zyklus“ von Lucy H. Pearce. Ich habe mir heute Morgen das Buch gekauft und begann zu lesen. Ich wollte nicht etwas weiterempfehlen, das ich nicht kenne. Und da passierte es. Einerseits kamen Gedanken wie: „Kann man das einem jungen Mädchen so klar sagen?“ Schamgefühl stieg hoch. Meine Kehle schnürte zu. Und all die „gesellschaftliche“ Erziehung kam zum Vorschein. Und als ich mich durch diese ersten Schwall an Gedanken durchgewühlt hatte, sah ich die Schönheit und ich begann zu weinen. Tief aus lauter Berührung heraus. Es fühlte sich so an, als würde Lucy H. Pearce zu meinem eigenen jungen ich sprechen und ich spürte, wie wieder ein Stück Heilung passieren durfte…
Und wie passend! Wir stehen kurz vor Neumond. Die Zeit, welche (im Mond-Zyklus) der Menstruation entspricht.

ein tolles Buch mit geschichtlichem Hintergrund zum Thema: Das rote Zelt der Frauen von Anita Diamant
Liebe Grüsse Brig
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Liebe Brig, herzlichen Dank für deinen Tipp. Ich werde es mir ansehen. Liebe Grüße Gurea
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